Archiv des Autors: Esther

MARMO

Choreografie: Ginevra Panzetti / Enrico Ticconi

Cast: Anna Herrmann, Emma Lewis, Gesine Moog, Omagbitse Omagbemi, Lia Witjes Poole

Licht Design: Annegret Schalke
Sound Design: Demetrio Castellucci
Kostüm: Ginevra Panzetti / Enrico Ticconi, werkstattkollektiv
Technische Leitung: Annegret Schalke
Sound: Mattef Kuhlmey
Produktionsassistenz: Pauline Stöhr

Beim Betrachten von Lucinda Childs frühen Werken richtet sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Selbstverständlichkeit, mit der die Körper einen konkreten, dreidimensionalen Raum erzeugen, der architektonischen und geometrischen Prinzipien zu folgen scheint. Wir sind hingerissen vom Anblick dieser strahlenden Solidität, die an die Konsistenz und Mineralität von Marmor erinnert. Ein Stein, der aufgrund seiner besonderen Beschaffenheit und seines Glanzes als das bildhauerische Material schlechthin gilt und der jener in der Renaissance geborenen Idee des Klassizismus Form und Farbe verlieh.

Die Räumlichkeit und Rhythmik von Lucinda Childs gestalterischem Schaffen erinnert an den klar gegliederten symbolischen Raum eines Marmorsteinbruchs – ein Ort, an dem der menschliche Einfluss der natürlichen Morphologie der Landschaft strenge und unauslöschliche Geometrien aufdrückt.

MARMO, eine Erwiderung auf drei frühe Arbeiten der amerikanischen Choreografin, erforscht den Steinbruch als Ort einer Gemeinschaft, die sich mit Messungen beschäftigt. Die Expedition folgt der Verwandlung des Steins von der ersten Phase des Abbaus bis hin zur Bildhauerwerkstatt, wo er verarbeitet wird. Es ist eine Entwicklungslinie, die sich von der Transformation des Rohmaterials hin zur plastischen Entstehung einer idealen Form zieht.

Auf diesem Weg sind die Figuren die echten Arbeiter:innen und absoluten Architekt:innenen des Raums. Sie bestimmen seine Proportionen, seine Größe und sein Licht. Dabei unterliegen sie denselben Regeln und Gegebenheiten und werden so selbst zur formbaren Materie, zur Skulptur.

Diese Produktion wird im Rahmen des Abends „Dancing Replies“ mit drei frühen Werken von Lucinda Childs aufgeführt, kann aber auch einzeln präsentiert werden.

Produktion: DANCE ON/DIEHL+RITTER
Koproduktion: Kampnagel (Hamburg)

Mit Unterstützung von Lavanderia a Vapore, Centro di residenza per la danza

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Works In Silence

Choreografie: Lucinda Childs

Einstudierung: Ty Boomershine

Mit: Ty Boomershine, Anna Herrmann, Emma Lewis, Gesine Moog, Omagbitse Omagbemi, Lia Witjes Poole
Licht Design: Martin Beeretz
Sound Design: Mattef Kuhlmey
Kostüme: Alexandra Sebbag

Video: Jubal Battisti

Online-Premiere: 18. bis 20. Dezember 2020, Radialsystem Berlin und STUK. House for Dance, Image and Sound 

Die WORKS IN SILENCE geben Einblick in eine entscheidende Entwicklungsphase einer der wichtigsten Choreograf:innen des 20. Jahrhunderts.

Die Zusammenstellung früher Werke aus Lucinda Childs weitreichendem Oeuvre ist eine tanzgeschichtlich höchst bedeutsame Rarität, da die meisten der Stücke seit ihrer Uraufführung in den 1970er Jahren nie wieder gezeigt wurden. Sie stammen aus einer choreografischen Phase, in der Childs alle Kennzeichen der Judson Dance Theater-Ära – wie die Nutzung von Requisiten, Alltagsobjekten, Sprache und symbolischen Gesten – schon hinter sich gelassen hatte und sich ganz auf die Wege des Körpers durch den Raum konzentrierte. Der Anfang aller Bewegung war für sie der Akt des Gehens. Vom Gehen zum Laufen, zum Richtungswechseln, zum Hüpfen, zum Springen: Die WORKS IN SILENCE zeigen die Evolution von der Bewegung zum Tanz in Lucinda Childs choreografischer Vision.

„Ich finde es sehr musikalisch, wenn Tänzerinnen und Tänzer einen Puls teilen“, sagt sie. „Sie müssen einander zuhören. Das tun musikalische Ensembles auch. Sie stimmen sich sehr präzise aufeinander ein.“ Die Stücke öffnen den Blick auf eine wichtige Periode des Umbruchs im Werk einer Künstlerin, deren Einfluss auf die Bildende Kunst wie auch auf eine Generation nachkommender Choreograf:innen nicht überschätzt werden kann. Von den Tänzer:innen erfordern sie eine Fragilität und Menschlichkeit, die sich erst durch langjährige, gelebte Erfahrung offenbart. Sie sind somit ideal geeignet für eine Gruppe von Tänzer:innen ist, die mit viel eigener Geschichte und tiefem Lebenswissen auf die Bühne kommen. Wenn alle Künstlichkeit und Theatralik wegfallen, zeigt sich die Schönheit und Klarheit der Weisheit.

Produktion: Dance On/DIEHL+RITTER
Ko-Produktion: STUK. House for Dance, Image and Sound /Münchner Kammerspiele
Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

You should have seen me dancing waltz

Konzept/Regie: Rabih Mroué

In Zusammenarbeit mit dem Dance On Ensemble

Mit: Anna Herrmann, Emma Lewis, Christine Kono, Marco Volta

Text: Rabih Mroué in Zusammenarbeit mit Ty Boomershine
Stimmen: Ty Boomershine, Christine Kono

Lichtdesign: Arno Truschinski
Sound: Mattef Kuhlmey
Kostüm: Sophia Piepenbrock-Saitz
Regieassistenz: Clarissa Omiecienski

Premiere: 8. November 2019, ONASSIS STEGI, Athens (weitere Vorstellungen am 09. & 10. November)

„You should have seen me dancing Waltz“ konfrontiert die Tänzer:innen Emma Lewis, Anna Herrmann, Marco Volta und Christine Kono mit der Präsentation von Gewalt, Katastrophen und Politik in den Tageszeitungen. Wie beeinflusst das aktuelle Geschehen den Körper der Tänzer:innen? Haben Worte der Gewalt eine unmittelbare Auswirkung auf die eigene Bewegung? Verändern sie Bewegung sogar? Diese Fragen werden auf der Bühne auf sehr persönliche Weise verhandelt.

Produktion: Dance On /DIEHL+RITTER
Co-Produktion: ONASSIS STEGI, Kampnagel Hamburg

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Story

A re-imagining of Story
Choreografie: Merce Cunningham

Mit zusätzlichem choreografischen Material, entwickelt vom Dance On Ensemble unter der Leitung von Daniel Squire.

Basierend auf dem Tanzstück Story von 1963, choreografiert von Merce Cunningham. Ein unbestimmtes Werk, das in jeder Vorstellung aufgrund von Zufallsprinzipien und unmittelbaren Entscheidungen der Performer neu konfiguriert wird.

Komponist: Toshi Ichiyanagi
Bühne, Kostüme, Licht nach den Konzepten von Robert Rauschenberg
Mit: Ty Boomershine, Emma Lewis, Gesine Moog, Miki Orihara, Tim Persent, Marco Volta
Live-Musik: Rabih Mroué, Mattef Kuhlmey, Tobias Weber
Künstler: John Bock

Einstudierung: Daniel Squire
Licht: Patrick Lauckner/Falk Dittrich
Sound: Mattef Kuhlmey
Kostüme: Sophia Piepenbrock-Saitz
Regieassistenz: Clarissa Omiecienski

Story wurde am 24. Juli 1963 von der Merce Cunningham Dance Company an der University of California, Los Angeles, uraufgeführt. Es gehörte 16 Monate zum Repertoire der Kompanie und wurde 48 Mal an 41 verschiedenen Orten aufgeführt. Die Struktur von Story war variabel: die Gesamtdauer, die verwendeten Sequenzen und ihre Reihenfolge änderten sich von einer Performance zur nächsten. Die Tänzer:innen konnten Entscheidungen über Raum, Zeit und Reihenfolge ihrer Bewegungen treffen. Auch die Musik von Toshi Ichiyanagi war unbestimmt, die Musiker waren frei in der Wahl der Instrumente und der Klangdauer. Robert Rauschenberg konstruierte für jede Performance ein neues Set aus Material, das er im oder in der Nähe des Theaters fand.  Sein Kostümentwurf beinhaltete ein Basisoutfit aus Trikot und Strumpfhose, über dem die Tänzerinnen und Tänzer eine Reihe von Kleidungsstücken tragen konnten, die sie beliebig oft wechselten.

Die Archivmaterialien zu Story sind begrenzt. Eine einzige Filmaufzeichnung des Stücks existiert, von einer Vorstellung in Helsinki aus dem Jahr 1964. Diese Aufnahme stellt ein mögliches Ergebnis der variablen Struktur dar, erfasst aber nicht die gesamte Bandbreite des Materials. Die choreografischen Notationen von Merce Cunningham liefern zusätzliche Informationen, ebenso wie anekdotische Berichte.  Aber bestimmte Elemente und Aspekte des Tanzes bleiben unbekannt.

Unter diesen Umständen ist eine typische Rekonstruktion von Story nicht möglich.  Das Dance On Ensemble wird stattdessen eine Neuinterpretation des Stückes vornehmen. Daniel Squire, der jahrelang mit Cunningham arbeitete, wird den Tänzer:innen die bekannten Sequenzen lehren und sie dazu bringen neue, dem Stück entsprechende Bewegungselemente zu erarbeiten. Ebenso wird Patrick Lauckner ein Lichtdesign im Einklang mit den ursprünglichen Konzepten kreieren. Der Berliner Künstler John Bock wird die Rolle des Robert Rauschenberg übernehmen und fertige Konstruktionen sowie weitere wechselnde, dem Theater entsprechende Werke schaffen. Toshi Ichiyanagis Sapporo, interpretiert von Rabih Mroué, Mattef Kuhlmey und Tobias Weber, rundet das Werk ab.  Das Ergebnis, Berlin Story, rekonstruiert und reanimiert einen Tanz, der zuletzt vor 55 Jahren aufgeführt wurde.

Diese Produktion wird auch im Rahmen des Abends „Making Dances“ mit der choreografischen Antwort „never ending (Story)“ von Mathilde Monnier aufgeführt, kann aber auch einzeln präsentiert werden.

Premiere: 23. August 2019, Tanz im August, Volksbühne Berlin (zwei zusätzliche Vorstellungen am 24. und 25. August 2019)

Dieses Programm wurde im Rahmen der Cunningham Jubiläumsfeier präsentiert.

Produktion: Dance On/DIEHL+RITTER

DEBORAH HAY

Deborah Hay, 1941 in Brooklyn geboren, gilt bei Kritikern und Historikern als eine der einflussreichsten Vertreterinnen des postmodernen Tanzes.

Sie trainierte bei Merce Cunningham, tanzte mit der Cunningham Dance Company und tourte 1964 mit ihnen um die ganze Welt. Sie war Gründungsmitglied des Judson Dance Theatre und begann in den frühen 60er Jahren in Zusammenarbeit mit vielen anderen Künstlern zu choreografieren, hauptsächlich Tänze für nicht-professionelle Performer. Seit 2000 arbeitet sie ausschließlich mit erfahrenen professionellen Tänzern.

Deborah Hay hat vier Bücher geschrieben: Moving Through the Universe in Bare Feet (1975), Lamb at the Altar (1994) über den künstlerischen Prozess ihrer gleichnamigen Arbeit, My Body, the Buddhist (2000) mit Reflexionen zum Körperwissen, und Using the Sky (2015) über ihren choreografischen Arbeitsprozess. 2012 gehörte sie zu den ersten Preisträgern des neuen Doris Duke Artist Award. Sie erhielt einen Ehrendoktortitel für Tanz von der Theaterakademie Helsinki und wurde 2016 zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt.

Fäden

Fäden | Dance Festival | München, München (entfällt wegen des Coronarvirus)

MATTEO FARGION

Matteo Fargion und die Künstler der Produktion 7 Dialogues.

MATTEO FARGION
Matteo Fargion ist als Komponist, Performer und Lehrer seit über 25 Jahren in Tanz und Theater tätig und arbeitete mit führenden Choreografen und Regisseuren in Großbritannien und im Ausland zusammen – so in den letzten fünfzehn Jahren vor allem mit Siobhan Davies, Karl Jay Lewin und Jonathan Burrows.

Gemeinsam mit Burrows konzipierte und performte er eine Reihe von zehn Duetten. Both Sitting Duet gewann 2004 den New Yorker Bessie Award (für ‚Tanz und Performance’). Cheap Lecture wurde 2009 für das renommierte Het Theaterfestival in Belgien ausgewählt. Matteo Fargion hat viel Musik für das Theater komponiert, vor allem in Deutschland, wo er mit Elmar Goerden sowie mit Thomas Ostermeier an der Schaubühne Berlin zusammenarbeitete. Als Gastdozent hat er bei PARTS in Brüssel unterrichtet und neue Ansätze in der Kompositionslehre entwickelt, die er vor allem in Workshops präsentiert und anwendet.

Die Künstler der 7 Dialogues:
IVO DIMCHEV
Ivo Dimchev, Jahrgang 1976, ist Tänzer und Performer aus Bulgarien. Sein Werk bildet eine extreme und bunte Mischung aus Performance-Kunst, Tanz, Theater, Musik, Zeichnungen und Fotografie. Er erhielt zahlreiche internationale Preise für Tanz und Theater und zeigte seine Arbeiten in Europa sowie Süd- und Nordamerika. 2014 eröffnete er das MOZEI, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik in Sofia, Bulgarien.

TIM ETCHELLS
Tim Etchells ist Künstler und Schriftsteller aus Großbritannien. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Performance, bildender Kunst und Fiktion. Bekannt ist er insbesondere als Leiter der in Sheffield angesiedelten, international renommierten Performance-Gruppe Forced Entertainment. Etchells ist auch als Bildender Künstler und Autor tätig. Seine installativen Arbeiten wurden von internationalen Ausstellungen u. a. in Italien, England und Japan gezeigt. Eine seiner aktuelleren Veröffentlichungen ist While You Are With Us Here Tonight (2013). Derzeit ist er Professor für Performance an der Universität Lancaster.

BETH GILL
Beth Gill ist Tänzerin und Choreografin und entwickelt seit 2005 Arbeiten im Bereich zeitgenössischer Tanz und Performance in New York City. Sie ist Absolventin der New York University Tisch School of the Arts. Ihre Auftritte wurden national und international präsentiert. Sie erhielt verschiedene Stipendien und Fellowships (Guggenheim, Hodder, Choreography Fellow am New York City Center) sowie Preise (Doris Duke Impact Award 2015, Artist Award der Foundation for Contemporary Arts Grants 2012, Bessie Awards für ‚Herausragende Choreografen’ und den Jury-Preis 2011). 2012 wurde sie vom Dance Magazine zu einer der ‚herausragendsten 25 Künstler’ gekürt.

ÉTIENNE GUILLOTEAU
Étienne Guilloteau beschäftigt sich aktuell mit der dramaturgischen Beziehung zwischen Tanz, Musik und Licht. Sein Hauptinteresse ist es, das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente einer Theateraufführung in Frage zu stellen. Sein Duett Synopsis of a Battle wurde 2013 am Kaaitheater uraufgeführt. Im gleichen Jahr kreierte er auf Einladung von Christopher House The Gyres, ein Stück für das TDT (Toronto Dance Theater). Das Solo Feu erarbeitete er für die argentinische Tänzerin Cecilia Lisa Eliceche mit Live-Musik des E-Gitarren-Quartetts Zwerm. Für das Musikfestival DIALOGE in Salzburg hat er 2015 in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Ensemble Für Neue Musik ein Stück für acht Tänzer der SEAD (Salzburg Experimental Academy of Dance) kreiert.

HETAIN PATEL
Hetain Patel ist Bildender Künstler. Seit 2004 wurden seine Videoarbeiten, Fotografien, Skulpturen und Live-Performances international, u. a. in der Tate Modern, London, und dem Ullens-Zentrum für zeitgenössische Kunst in Peking gezeigt. Seine Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen in Großbritannien, China, Indien und den USA vertreten. Patel arbeitet mit Künstlern verschiedener Disziplinen, mit Familienmitgliedern und Laien zusammen und ist ‚New Wave Associate’ des Sadler’s Wells, London.

LUCY SUGGATE
Lucy Suggate ist als Tänzerin und Künstlerin insbesondere für ihre einnehmenden Solo-Performances bekannt. 2013/14 wurde sie als ‚Modul Dance Artist’ von Mercat de Les Flors und Graner in Barcelona, Dansehallerne & BoraBora in Aarhus und dem Entwicklungsfonds des Arts Council England unterstützt. Daraus ging ihre aktuelle Arbeit Pilgrim hervor, welche von internationalen Festivals präsentiert wurde. Ihre letzten Arbeiten – Secrets of the Open Sea sowie Test Pieces für Tanz im August 2015 – kreierte sie zusammen mit Rosemary Butcher. Mit Siobhan Davies Dance und der National Gallery London arbeitete sie an dem zweijährigen EU-Projekt Dancing Museums.