Archiv für den Monat: Februar 2017

JAN MARTENS

Jan Martens, Jahrgang 1984, studierte Tanz am Royal Conservatoire of Dance der Artesis Hogeschool in Antwerpen sowie an der Fontys Dance Academy in Tilburg. […]

Er tanzte unter anderem für Mor Shani, Tuur Marinus und Ann Van den Broek. Seit 2009 kreiert er eigene Stücke, die humorvoll und auseinandersetzungsfreudig aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen, so unter anderem Sweat Baby Sweat (2011), Victor (2013), The dog days are over (2014) and The common people (2016). Er war als Choreograf für Frascati, ICKamsterdam, CAMPO und DansBrabant tätig.

2014 gründete Jan Martens, gemeinsam mit der Unternehmerin Klaartje Oerlemans, die Produktionsplattform GRIP in Antwerpen/Rotterdam, um seine Arbeiten zu verwalten und zu vertreiben. Von September 2014 bis Juni 2016 war er Artist in Residence am tanzhaus nrw in Düsseldorf. Außerdem ist er seit Sommer 2016 bis Mitte 2018 Artist Associé am CDC Le Gymnase in Roubaix, Nord-Pas-de Calais, und bis 2021 Creative Associate bei deSingel International Arts Campus in Antwerpen.

 

MAN MADE
Konzept / Choreografie: Jan Martens
Premiere: 11. März 2017, Kampnagel Hamburg (weitere Aufführung am 12. März 2017)

© Dorothea Tuch

BIG CREATION 2020 (AT)
Choreografie: Jan Martens
Premiere: 23. April 2020, de Singel, Antwerpen

© Luis Xertu

 

DEBORAH HAY

Deborah Hay, 1941 in Brooklyn geboren, gilt bei Kritikern und Historikern als eine der einflussreichsten Vertreterinnen des postmodernen Tanzes. […]

Sie trainierte bei Merce Cunningham, tanzte mit der Cunningham Dance Company und tourte 1964 mit ihnen um die ganze Welt. Sie war Gründungsmitglied des Judson Dance Theatre und begann in den frühen 60er Jahren in Zusammenarbeit mit vielen anderen Künstlern zu choreografieren, hauptsächlich Tänze für nicht-professionelle Performer. Seit 2000 arbeitet sie ausschließlich mit erfahrenen professionellen Tänzern.

Deborah Hay hat vier Bücher geschrieben: Moving Through the Universe in Bare Feet (1975), Lamb at the Altar (1994) über den künstlerischen Prozess ihrer gleichnamigen Arbeit, My Body, the Buddhist (2000) mit Reflexionen zum Körperwissen, und Using the Sky (2015) über ihren choreografischen Arbeitsprozess. 2012 gehörte sie zu den ersten Preisträgern des neuen Doris Duke Artist Award. Sie erhielt einen Ehrendoktortitel für Tanz von der Theaterakademie Helsinki und wurde 2016 zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt.

 

TENACITY OF SPACE
Choreografie / Regie: Deborah Hay
Premiere: 24. März 2017, tanzhaus NRW, Düsseldorf© Dorothea Tuch

Tenacity of Space

Choreografie / Regie: DEBORAH HAY

Künstlerische Mitarbeit: Jeanine Durning und Ros Warby

Jeanine Durning ist eine Choreografin und Tänzerin aus New York. Das Magazin The New Yorker schrieb über ihre Arbeit, sie hätte „das Potential zu philosophischer Erkenntnis und theatraler Katastrophe.“ Sie erhielt den Alpert Award für Choreografie, sowie eine Reihe von Stipendien und Künstlerresidenzen. Zusätzlich zu ihren eigenen Projekten hat sie mehr als 25 Werke für verschiedene Kompanien, Künstler und Institutionen geschaffen, zuletzt für das Toronto Dance Theatre. Als Performerin hat Jeanine Durning mit vielen Choreografen mit unterschiedlichen künstlerischen Handschriften zusammengearbeitet. Seit 2005 arbeitet sie mit Deborah Hay, tanzte in Ensemblestücken wie O,O und If I Sing to You, und war bei Deborah Hays Projekt für Motion Bank beteiligt, für das sie das Solo No Time to Fly, das Trio As Holy Sites Go und das Duett As Holy Sites Go/duet (mit Ros Warby) adaptierte. Jeanine Durning ist eine erfahrene Lehrerin und unterrichtet an der SNDO Amsterdam, dem HZT Berlin und an mehreren amerikanischen Universitäten.

Ros Warby ist eine angesehene Australische Tänzerin und Choreografin, deren Arbeiten vielfach ausgezeichnet wurden und in Australien, Europa und den USA zu sehen sind, unter anderem bei der Biennale Venedig, Dance Umbrella, am Sydney Opera House und am Dance Theatre Workshop in New York. Die Charaktere in ihren Soli überwinden das Archetypische, indem sie zwischen ikonischen Figuren und abstrakten Ideen oszillieren. Neben ihrer Arbeit als Performance-Künstlerin arbeitet Ros Warby auch mit Tanzkompanien wie der Lucy Guerin Inc. und der Deborah Hay Company. Sie ist zur Zeit Gastprofessorin an der University of California, Los Angeles (UCLA) am Department for World Arts and Cultures/Dance.

In Zusammenarbeit mit Ty Boomershine, Amancio Gonzalez, Brit Rodemund, Christopher Roman und Jone San Martin

Lichtdesign: Tanja Rühl

Tanja Rühl erhielt ihre Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik an der Oper Frankfurt und war ab 2002 beim Ballett Frankfurt unter der künstlerischen Leitung von William Forsythe als Beleuchtungsassistentin tätig. Nach der Neugründung der Forsythe Company übernahm sie 2005 die Position des Lighting Supervisor und schuf seit 2007 für das Ensemble  zahlreiche Lichtdesigns. Als Mitglied des Forsythe Production Teams ist sie für Fragen in den Bereichen Technik und Design weltweit als Beraterin bei der Einstudierungen von Forsythes Werken tätig. Seit Sommer 2014 konzentriert sie sich auf eine internationale Karriere als freischaffende Lichtdesignerin mit verschiedensten Künstlern und Compagnien.

Komposition und Live-Electronics: Mattef Kuhlmey

Matter Kuhlmey ist Musiker, Sounddesigner und Musiklehrer. Mit seiner Band ALP vertont er Stummfilme. Sein Label FORTSCHRITT MUSIK ist Plattform für befreundete Bands. Seit fünfzehn Jahren unterrichtet er polnische, tschechische und deutsche Jugendliche im Projekt LANTERNA FUTURI . Seit mehreren Jahren arbeitet er als Theatermusiker, hauptsächlich im Bereich von Tanztheater und Performance, wobei ein wesentliches Interesse in der Erkundung und Balance von technischen Möglichkeiten und musikalischer Tradition liegen.

Kostümdesign: Judith Adam

Judith Adam studierte in Berlin Mode-Design. Seit 2004 ist sie als Kostümbildnerin tätig und arbeitet seitdem mit dem Choreografen Tim Plegge zusammen. Es entstanden zahlreiche gemeinsame Arbeiten darunter Momo, Kaspar Hauser und aktuell Ein Sommernachtstraum. Sie entwarf zudem Kostüme für die Ballette von Reginaldo Oliveiras (Der Fall M., Anne Frank) und Antoine Jully (Jurassic Trip, Men and Women). Außerdem arbeitet sie mit der Tanzregisseurin Helena Waldmann (Made in Bangladesh, Gute Pässe schlechte Pässe), Amigo Kadir Memis (Cabdance) und Gabriele Reuter (Tourist – a de-centred play, The Amplitude) zusammen. Neben ihrem großen Interesse für den zeitgenössischen Tanz, gestaltet Judith Adam Kostümbilder fürs Musiktheater und arbeitet mit Regisseuren wie Corinna Tetzel, Michaela Dicu, Elmar Ottenthal und Annette Leistenschneider zusammen. An der Kunsthochschule Dresden leitet sie als Gastdozentin ein Seminar über das Tanzkostüm.

Schnittgestaltung und Anfertigung der Kostüme: Sophia Piepenbrock-Saitz

Sophia-Elise Piepenbrock-Saitz studierte von 2011 bis 2015 Kostümgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und schloss das Studium als Diplom-Designerin ab. Zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin. Seit 2017 ist sie selbstständig tätig und fertigt Kostüme für Theater- und Tanzproduktionen sowie Aufträge für Privatkunden an. Sie hat bereits in verschiedenen Kostümwerkstätten gearbeitet, wie zum Beispiel in der Semperoper Dresden, am Friedrichstadtpalast Berlin und im Sydney Opera House.

Assistenz der Choreografin: Katharina Rost

 

Deborah Hay:

Tanz ist meine Form des politischen Aktivismus. Es geht nicht darum wie ich tanze oder warum ich tanze. Es geht darum, dass ich tanze.

Tenacity of Space stellt einen elementaren Verlust von erlerntem Tanzwissen dar. Die fünf Tänzer von DANCE ON sollten sich weniger auf ihre Körper und was diese tun können verlassen als auf die schonungslose Wahrnehmung von allem in ihrem Blickfeld, was ihre bewegten Körper unterstützen kann. „Die Unermesslichkeit ist in uns. Sie ist mit einer Art Ausweitung des Seins verbunden, die vom Leben gezügelt und von der Vorsicht zurückgehalten wird.“ (Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)

Erkennbare Bewegungen spielen in meiner Arbeit keine Rolle. Stattdessen schaffe ich Bedingungen, die dazu dienen, eine Atmosphäre von undefinierbarer Logik für die Tänzer und Zuschauer zu erzeugen. Was mich an Tenacity of Space so interessiert, ist die Tatsache, dass ich nicht benennen oder zeigen kann, wie das DANCE ON ENSEMBLE auf meine Choreografie reagiert. „Tenacity of Space“ ist ein Ausdruck, auf den ich stieß, als ich Jim Craces Roman Harvest gelesen habe. Während der 5-wöchigen Probenarbeit mit dem Ensemble habe ich das Buch das zweite Mal gelesen. Der Ausdruck ist vielleicht aufgrund von zwei Nachrichten hängen geblieben. Erstens Trumps Aufstieg an die Macht und zweitens die Syrische Diaspora. In der zweiten Woche mit den Tänzern hatte ich das Bedürfnis, diese unglaublichen Weltzustände ins Stück einzubringen. Die Änderung des Titels von Nothing Is Outside zu Tenacity of Space änderte auch die Art, wie wir weiter miteinander gearbeitet haben.

Premiere: 24. März 2017, tanzhaus NRW, Düsseldorf

Produktion: DANCE ON / DIEHL+RITTER gUG

Koproduktion: tanzhaus nrw, ADC-Association Danse Contemporaine Genève

Gefördert durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags

DANCE ON ist eine Initiative der DIEHL+RITTER gUG, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa der Europäischen Union im Rahmen von DANCE ON, PASS ON, DREAM ON

Man Made

Konzept / Choreografie: JAN MARTENS

 In künstlerischer Zusammenarbeit mit Ty Boomershine, Amancio Gonzalez, Brit Rodemund, Christopher Roman, Jone San Martin

Outside Eye: Renee Copraij

Renée Copraij studierte Tanz und Kunstgeschichte. Sie arbeitete in den neunziger Jahren als Tänzerin mit Jan Fabre und später als seine Assistentin und Dramaturgin für mehrere Produktionen. Renée Copraij unterrichtete Choreografie-Workshops an der SNDO (School for New Dance Development) in Amsterdam und ist immer noch als Beraterin für Studierende tätig. Sie war Kuratorin für das Festival a/d Werf in Utrecht, wo sie Produktionen an der Schwelle von bildender Kunst und Theater erarbeitete. Die letzten Jahre kuratierte sie die Gastkünstler_innen für ICKamsterdam (International Choreographic Arts Center) und performte im Stück „Wellness“ von Florentina Holzinger und Vincent Riebeek und in „Mount Olympus“ von Jan Fabre.

Licht Design: Dominique Pollet

Dominique Pollet ist Lichtdesigner, Tanzdramaturg und steht selbst auf der Bühne. Seit 1990 schafft er eigene Werke, arbeitet mit anderen Künstlern zusammen und tourt international. Sein architektonisch geprägter Ansatz begreift Lichtquellen als Performer, die auf der Bühne platziert werden. In seinen Inszenierungen gestaltet er wandelbare Welten, die in lebendigen Austausch mit den Tänzern treten und das Publikum einladen, sich auf sie einzulassen. Er hat mit Adam Linder, Varinia Conto Villa, Meg Stuart, Emanuel Gat, Wim Vandekezbus, Sidi Larbi Cherkaoui, Iris Bouche, Herve Guerrisi & Gaia Saitta, Ami Garmon, Frank Willens & Maria Scaroni, Tony Vezich, Filip Van Huffel, David Hernandez, Ives Thuwis & Gregorz Caers, Tarren Johnson, Geraldo Si und Jan Martens zusammengearbeitet.

Komposition und Live-Electronics: Mattef Kuhlmey

Matter Kuhlmey ist Musiker, Sounddesigner und Musiklehrer. Mit seiner Band ALP vertont er Stummfilme. Sein Label FORTSCHRITT MUSIK ist Plattform für befreundete Bands. Seit fünfzehn Jahren unterrichtet er polnische, tschechische und deutsche Jugendliche im Projekt LANTERNA FUTURI . Seit mehreren Jahren arbeitet er als Theatermusiker, hauptsächlich im Bereich von Tanztheater und Performance, wobei ein wesentliches Interesse in der Erkundung und Balance von technischen Möglichkeiten und musikalischer Tradition liegen.

Kostüme: Sophia Piepenbrock-Saitz

Sophia-Elise Piepenbrock-Saitz studierte von 2011 bis 2015 Kostümgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und schloss das Studium als Diplom-Designerin ab. Zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin. Seit 2017 ist sie selbstständig tätig und fertigt Kostüme für Theater- und Tanzproduktionen sowie Aufträge für Privatkunden an. Sie hat bereits in verschiedenen Kostümwerkstätten gearbeitet, wie zum Beispiel in der Semperoper Dresden, am Friedrichstadtpalast Berlin und im Sydney Opera House.

 

2017.

Es sind unsichere Zeiten. Wenn Populisten die Macht ergreifen, wenn Meinungen und „fake news“ zu viel (Internet-)Raum in Anspruch nehmen und Debatten nur noch ultra-polarisiert verlaufen, dann bleibt kein Platz für Genauigkeit und Sorgfalt, für Nachdenken, für Empathie. In Man Made konstruiert Jan Martens aus dem Wissen und Können, der Erfahrung und Empfindsamkeit von fünf Tänzern, die schon seit vielen Jahren tanzen, ein neues choreografisches und soziales System. Zusammenarbeiten, sich gegenseitig zuhören, einfühlsame Entscheidungen treffen können – das sind die Fähigkeiten, die zum Erfolg dieses komplexen Bewegungssystems führen werden. Vielleicht. Die Choreografie lebt von der Arbeit des Tanzens und von der Möglichkeit, sich im Einklang mit anderen zu bewegen. Sie zeigt, dass wir Kunst machen und anschauen, um bessere Menschen zu werden. Hoffentlich.

Und das Ergebnis? Ist es eine Illusion? Eine Fata Morgana? Eine Utopie? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass das körperlich-dynamische System von Man Made eine lebensnotwendige Menge Naivität enthält. Ein Lichtblick in dunklen Zeiten.

 

Premiere am 11. März 2017, Kampnagel Hamburg

Produktion: DANCE ON / DIEHL+RITTER gUG
Koproduktion: Kampnagel Hamburg

DANCE ON ist eine Initiative der DIEHL+RITTER gUG, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa der Europäischen Union im Rahmen von DANCE ON, PASS ON, DREAM ON