Dance On Ensemble
A Suite of Dances – Noa Eshkol
A Day in the Studio – Noé Soulier
A Suite of Dances
Tanzkompositionen / Choreografie: Noa Eshkol
Staging: Mor Bashan (The Noa Eshkol Chamber Dance Group)
Assistenz Staging: Dror Shoval (The Noa Eshkol Chamber Dance Group)
Sound Design: Mattef Kuhlmey
Kostüm: Werkstattkollektiv
Ausgewählte Stücke aus Noa Eshkol’s Tanz Suite “Theme and Variations”:
Jacob Rachel and Lea (2) (frühe 1960er), Duet (5) (frühe 1960er), Skilla (6) (frühe 1960er), Fugue (0) (frühe 1970er), March (1) (frühe 1960er), Minuet (0,3) (frühe 1960er)
A Day in the Studio
Choreografie: Noé Soulier
Kostüm: Chiara Valle Vallomini
Musik: A Day in the Studio, Hanne Lippard (2020); Portals, Jana Irmert (2025); Phase III, Lucy Railton (2025)
A Suite of Dances – A Day in the Studio
Performance: Javier Arozena, Alba Barral Fernández, Anna Herrmann, Gesine Moog, Lia Witjes Poole, Dominic Santia, Marco Volta (5 Tänzer:innen mit wechselnder Besetzung)
Licht & Technische Leitung: Martin Beeretz
Sound: Mattef Kuhlmey
Künstlerische Leitung Dance On Ensemble: Ty Boomershine
„A Suite of Dances – A Day in the Studio“ ist die vierte Ausgabe der Reihe „Replies“, in der das Dance On Ensemble zeitgenössische Choreograf:innen einlädt, sich aus ihrer eigenen künstlerischen Perspektive mit bedeutenden Werken des modernen und postmodernen Tanzes auseinanderzusetzen. Nach früheren Ausgaben, die Merce Cunningham und Mathilde Monnier, Lucinda Childs und Panzetti / Ticconi sowie Martha Graham und Tim Etchells gewidmet waren, wendet sich das Ensemble nun dem Werk von Noa Eshkol (1924–2007) zu. Mit einer ausgeprägten formalen Präzision und einer komplex strukturierten Bewegungssprache treten ihre choreografischen Kompositionen in Dialog mit einem neu geschaffenen Werk des Choreografen und Tänzers Noé Soulier.
Noa Eshkols künstlerische Praxis war von einem kompromisslosen Bekenntnis zum Wesentlichen geprägt. Verwurzelt in einem tiefen Verständnis des Körpers und seiner räumlichen Beziehungen schuf sie streng artikulierte choreografische Kompositionen, die durch das Bewegungsnotationssystem geformt wurden, das sie gemeinsam mit dem Architekten Avraham Wachman entwickelte: die Eshkol-Wachman Movement Notation (EWMN) – ein einzigartiges System zum Komponieren, Aufzeichnen und Analysieren von Bewegung. 1954 gründete sie die Noa Eshkol Chamber Dance Group, durch die ihre choreografischen Werke kontinuierlich weiterentwickelt und aufgeführt wurden.
Nun tanzen erstmals Tänzer:innen außerhalb dieser Gruppe Eshkols Werke. Die Tänzer:innen des Dance On Ensemble bringen künstlerische Reife, Präzision und Offenheit gegenüber den anspruchsvollen Bewegungsstrukturen dieses Ansatzes mit. Angeleitet von Mor Bashan – langjährige Tänzerin der Noa Eshkol Chamber Dance Group und heute Einstudiererin und Archivleiterin – und ihrem Assistenten Dror Shoval tauchen die Tänzer:innen in Eshkols choreografisches System in seinem Kern ein: Sie setzen sich mit den grundlegenden Bewegungsprinzipien auseinander, die die Kompositionen auf allen Ebenen strukturieren, und legen den Reichtum, die formale Erfindungskraft und die poetische Strahlkraft ihres Werkes frei. Der Abend umfasst Werke aus dem frühesten Zyklus „Theme and Variations“ (1965), Eshkols erster Tanzsuite mit der EWMN, sowie ein späteres Werk aus den 1970er Jahren.
Der zweite Teil des Abends, „A Day in the Studio“, ist eine Choreografie von Noé Soulier und spiegelt Noa Eshkols radikalen Umgang mit Geometrie in einer zeitgenössischen choreografischen Sprache wider. Eshkols systematischer und rigoroser Ansatz zur räumlichen Organisation bildet einen zentralen konzeptuellen Bezugspunkt – nicht als nachzuahmendes Modell, sondern als Rahmen, um neu zu durchdenken, wie Bewegung komponiert, artikuliert und wahrgenommen werden kann.
Souliers Praxis wurzelt in verkörperter Erfahrung und in Situationen, in denen physische, sensorische und affektive Dimensionen eng miteinander verwoben sind. In „A Day in the Studio“ isoliert er Handlungen wie Schlagen, Ausweichen oder Werfen aus ihren ursprünglichen funktionalen Kontexten und lässt sie spezifische Qualitäten von Beschleunigung, Schwung und Spannung erzeugen. Diese Intensitätswechsel verleihen der Bewegung eine affektive Aufladung, die unabhängig von narrativen Strukturen wirkt. Indem Handlungen auf imaginäre Objekte, den Körper einer anderen Performer:in oder den eigenen Körper gerichtet werden, aktiviert die Choreografie körperliches Gedächtnis, kinästhetische Empathie und sensorische Responsivität beim Publikum.
Im Duett, das „A Day in the Studio“ eröffnet und beschließt, wird Geometrie nicht als Kontrollsystem eingesetzt, sondern als räumlicher und kompositorischer Rahmen, der Bewegungstrajektorien in den Vordergrund rückt und sie zugleich für Variation und Spontaneität öffnet. Dieses Prinzip setzt sich in den Ensemblepassagen des Werkes fort. Obwohl die Bewegungsphrasen sorgfältig komponiert sind, bleibt ihre Organisation bewusst flexibel: Die Performer:innen können Phrasen in Echtzeit neu anordnen oder im Raum neu ausrichten. Die Choreografie entfaltet sich damit durch Entscheidungen im Moment und schafft Bedingungen für Prozesse der Transformation und Strukturierung – im individuellen Körper ebenso wie in den sich wandelnden Konstellationen zwischen den Performer:innen.
Premiere: 6. & 7. Juli 2026, Julidans Amsterdam
Produktion: DANCE ON / Bureau Ritter
In Zusammenarbeit mit Cndc Angers.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Im Rahmen von DanceMap, finanziert von Horizont Europa, dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union.
DANCE ON ist ein Projekt von BUREAU RITTER, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.








