Was wir wissen wollen

DANCE ON RESEARCHDANCE ON RESEARCH begleitet die künstlerische Entwicklung des DANCE ON ENSEMBLE durch wissenschaftliche Evaluation. Ziel ist es, die aus der Erfahrung mit der Kompanie gewonnenen Erkenntnisse für die Kunstform Tanz sowie für die Kunst- und Kulturtheorie nutzbar zu machen.

Wir arbeiten dazu mit Wissenschaftlern zusammen, die, angedockt an die einzelnen DANCE ON-Projekte, spezifischen Fragen der Tanzwissenschaft, aber auch anderer relevanter Fachgebiete wie Sport- und Neurowissenschaft nachgehen.

RESEARCH widmet sich mit der Thematisierung von Tanz und Alter einem bislang noch wenig bearbeiteten Forschungsgebiet. Die Ergebnisse der Analysen werden in Gesprächsreihen, Workshops, Publikationen und bei Konferenzen veröffentlicht. Das Forschungsprogramm richtet sich an Tanz- und Theaterwissenschaftler, Tänzer, Choreografen, Studierende, Kuratoren sowie an ein interessiertes Tanzpublikum, das seine Aufführungserfahrungen durch wissenschaftliche Analysen vertiefen möchte.

Und so können Sie mitwirken:

In Kooperation mit dem Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin haben wir einen Fragebogen zu Altersbildern im Tanz entwickelt. Sie können den Fragebogen innerhalb von zwei Minuten online ausfüllen.
Vielen Dank!

Überblick zum Stand der Forschung März 2016

Forschungsprojekt 1

„Altersbilder im Tanz“ mit der Freien Universität Berlin

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gabriele Brandstetter vom Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin und Dr. Nanako Nakajima widmet sich ein erster Bereich von DANCE ON RESEARCH den kulturell geprägten Vorstellungen vom ‚Alter’. Was bedeutet es, wenn vom ‚älteren Tänzer’ die Rede ist? Wie manifestiert sich das Alter von Tänzern und wie wirkt es sich auf die Zuschauer aus? Um diese Fragen zu beantworten, werden empirisch qualitative Publikums- und Expertenbefragungen durchgeführt. Im Zentrum des gemeinsamen Forschungsinteresses steht die Frage nach dem gegebenen Altersbild in der Tanzkunst, womit zugleich eine kritische Hinterfragung stereotyper Klischees einhergeht. Die Befragungen können das Bewusstsein der Befragten für die Thematik erhöhen und sie für bislang Übersehenes sensibilisieren. Ein weiterer großer Gewinn sowohl für die Tanzwissenschaft als auch für die Tanzkunst liegt schließlich darin, die besonderen Qualitäten älterer Tänzer näher erfassen zu können.

Forschungsprojekt 2

"Tanz und Alter" mit GJUUM Ltd.

- Ist das Alter eine Frage für Tänzer, die das 40. Lebensjahr überschreiten?
- Sind Tänzer Athleten?
- Ist Tanz ein Beruf?
- Sollten Tänzer Anspruch auf besondere medizinische Versorgung haben?
- Kann man 20 Jahre lang 40 bleiben?

Hat Tanz als Bewegungskultur einen gesellschaftlichen Nutzen?
Diesen und weiteren Fragen geht das Kollektiv GJUUM Ltd. unter der Leitung der Sportwissenschaftler Patrick Rump und Frank Appel im gemeinsamen Forschungsprojekt mit DANCE ON nach. Hierfür erheben sie sportwissenschaftliche, sportmedizinische, soziokulturelle und psychosozial relevante Parameter der Tänzer des Ensembles. Die gewonnenen Daten sollen Hilfestellung bei der Beantwortung der obigen Fragen leisten, indem sie quantifizierbare Marker der Fragestellungen erzeugen. So werden beispielhaft Daten jüngerer Tänzer mit denen Älterer verglichen und möglicherweise ein differenziertes Anforderungsprofil des Tanzes im Alter erkannt.

Gerade in einem flüchtigen Medium wie dem des Tanzes erscheint es den Forschern wichtig, auch Messbares zu entdecken und zu erheben. Die erhobenen und ausgewerteten Daten könnten so weiteren Generationen von Tänzern, aber auch der Gesellschaft im Sinne der Erstellung von Präventions-, Rehabilitations-  und leistungssteigernden Programmen dienen.

Forschungsprojekt 3:

Ästhetische Distinktionen von „Tanz und Alter“
mit Dr. Anna Seidl
In Kooperation mit DANCE ON untersucht die Kulturwissenschaftlerin Dr. Anna Seidl von der Universität Amsterdam den ästhetischen Paradigmenwechsel, der mit einem Tanzprojekt einhergeht, dessen Akteure ausschließlich älter als 40 Jahre sind. Während in der Öffentlichkeit die ästhetischen Distinktionen des Tanzes in der Regel auf technischer Bravour und kraftvoller Eleganz beruhen, stellt DANCE ON Kategorien wie Erfahrung, Authentizität und Individualität in den künstlerischen Fokus. Über welche körperlichen und kreativen Potentiale verfügt der reife Tänzer? Wie gestaltet sich das Archiv des Körpers auf der Ebene der Form und des ästhetischen Ausdrucks? Die Beantwortung dieser Fragen stellt nicht nur eine Herausforderung für Choreografen, Tänzer und Rezipienten dar, sondern eröffnet für die theoretische Verortung dieser Thematik ein neues Feld der Forschung. In Form einer empirischen Studie, die den Entstehungsprozss der einzelen Produktionen bis hin zur Aufführung begleitet, werden deren praktische, ästhetische und theoretische Aspekte reflektiert und im Kontext aktueller gesellschaftlicher Diskurse erörtert.