N E W S

 

PREMIERE: Water Between Three Hands
Von Rabih Mroué in Zusammenarbeit mit dem DANCE ON ENSEMBLE

DANCE ON ENSEMBLE, Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch

Videos von den Proben

 

Videos: Andrea Keiz

Das Programmheft ist online!

 

 

WATER BETWEEN THREE HANDS ist die zweite Produktion der DANCE ON 1. EDITION.
Sterben, Verschwinden, Abschiednehmen sind Prozesse des Übergangs zur Abwesenheit. Man verliert etwas, jemanden, sich selbst. Doch zugleich bleibt das, was verloren gegangen ist, und schreibt sich in unser Gedächtnis ein. Wir tanzen auf den Spuren eines existierenden Bildes, sammeln Fragmente, versuchen ein Ganzes zu sehen, das nicht existiert. Wir tragen Wasser, das durch unsere Hände rinnt. Wenn es keinen Anfang gibt, dann gibt es auch kein Ende, keine Grenze, keine Hierarchie.

 

In seiner ersten Arbeit mit Tänzern beschäftigt sich Rabih Mroué mit dem Wechselspiel zwischen An- und Abwesenheit, Realität und Fiktion. Die Körper der Darsteller sind dabei die Orte, an denen sich diese fraglichen Abgrenzungen als archivierte Sedimente ablagern.

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DANCE ON ENSEMBLE bei Proben mit Rabih Mroué, Foto: Dorothea Tuch
DANCE ON ENSEMBLE bei Proben mit Rabih Mroué, Foto: Dorothea Tuch

 

 

 

 

 

 

M I S S I O N
S T A T E M E N T

DANCE ON, eine Initiative von DIEHL+RITTER, richtet den Fokus auf die künstlerische Exzellenz von Tänzerinnen und Tänzern über 40. Sie sind mit ihren Erfahrungen, ihrer Ausstrahlung und Darstellungskraft, mit ihrem Tanz-Leben auf der Bühne präsent. Das DANCE ON ENSEMBLE, international renommierte Choreografen und Regisseure werden ein eigenes Repertoire aufbauen und das gewohnte Bild vom Tanz verändern. Eine Herausforderung für alle, auch das Publikum. Das Projekt wird außerdem gesellschaftspolitische Impulse setzen. Geplant sind Partizipationsformate für alte Menschen und ein Forschungsprogramm, das sich dem noch weitgehend unerschlossenen Thema „Tanz und Alter“ widmet.
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N Ä C H S T E
T E R M I N E

 

Osnabrück: 7 DIALOGUES / im Rahmen der TANZGALA / 11. Juni 2016 / 19:30 Uhr
Solo - Ty Boomershine in künstlerischer Zusammenarbeit mit Beth Gill
1. Produktion I Regie/Komposition: Matteo Fargion
Theater Osnabrück

 

Hannover:  Talk "DANCE ON?!" beim Tanzkongress, 18. Juni 2016, 10 - 11 Uhr,
mit Ty Boomershine, Riccarda Herre, Madeline Ritter, Brit Rodemund, Patrick Rump, Jone San Martin,
Oper, Großer Ballettsaal, Opernplatz 1, 30159 Hannover

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G R U S S W O R T V O N
S T A A T S M I N I S T E R I N
P R O F . M O N I K A
G R Ü T T E R S

Anlässlich des Auftakts von DANCE ON sandte uns Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB ein Grußwort, in dem sie betonte: „Diese in Deutschland bisher einzigartige Initiative versammelt namhafte internationale Künstlerinnen und Künstler, die ihr Publikum sicherlich nicht nur mit ihrer Tanzkunst beeindrucken werden, sondern auch, indem sie die Idealisierung der Jugend und die Angst vor dem Alter fragwürdig erscheinen lassen. Eine Gesellschaft im demographischen Wandel kann von einer solchen kreativen Auseinandersetzung mit ihren Altersbildern nur profitieren.“
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G R U S S W O R T V O N
R Ü D I G E R K R U S E

„Die Zeit ist nun gekommen, den außer-
ordentlichen Wert der älteren professio-
nellen Tänzer deutlich anzuerkennen.“
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I N T E R V I E W

Gespräch von Claudia Henne mit Madeline Ritter (Künstlerische Gesamtleitung DANCE ON), Riccarda Herre (Projektkonzeption DANCE ON) und Christopher Roman (Künstlerischer Leiter und Tänzer des DANCE ON ENSEMBLE und Künstlerische Gesamtberatung DANCE ON)
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Berlin, 12. März 2015

von Claudia Henne

 

Frage (CH): DANCE ON – das klingt wie eine Aufforderung. Müssen Tänzerinnen und Tänzer 40 plus aufgefordert werden?

 

Madeline Ritter: Für uns hat DANCE ON nicht diese Implikation, sondern unsere zentrale Frage ist: was gewinnt die Tanzkunst, wenn Tänzer weiter tanzen? Was gewinnen die Tänzer? Was gewinnt das Publikum?

 

Christopher Roman: Es geht darum, den Dialog mit der zeitgenössischen Tanzkunst auf intellektueller und körperlicher Ebene fortzusetzen und anderen zu zeigen, dass die Arbeit nicht in der Weise aufhören muss, wie die meisten Menschen glauben. Zu zeigen, dass diese Erfahrung unglaublich reichhaltig und sehr produktiv sein kann. Es berührt die Menschen emotional, und zwar nicht dadurch dass man alt ist und noch auf der Bühne steht, sondern dadurch, dass ein Lebensgefühl verkörpert wird, zu dem die Zuschauer einen Zugang haben. Zum Ausdruck gebracht wird, was das Leben ist, so dass das Publikum sagt, ‚das ist, wie ich fühle’ oder ‚ich fühle nicht so, aber ich kann es nachvollziehen’ – ich denke, das ist, was DANCE ON zelebrieren kann: den Tanz weit über etablierte Grenzen in der Gesellschaft hinaus zu führen.

 

Ist es im Ballett z. B. aufgrund der Technik schwieriger, älter zu sein, als im zeitgenössischen Tanz?

 

Ricarda Herre: Ich glaube, dass es da eine große Differenz gibt, weil die klassische Technik eigentlich für einen jungen Körper konzipiert ist. In Stadttheatern, wo klassisches Ballett getanzt wird oder wo die Technik eine Rolle spielt, wird diese Grenze, bis wann man tanzen kann, klarer gesetzt als im zeitgenössischen Tanz. Man wird an der Qualität der Technik gemessen, die man tanzt. Im Gegensatz zum zeitgenössischen Tanz, wo Ausdruck noch eine andere Rolle spielt oder man anders mit dem Körper umgehen kann.

 

Ist es denn so, dass die, die sich hier bewerben eine klassische Ausbildung haben?

 

CR: Ich glaube, ‚Ausbildung’ ist ein sehr starkes und eher typisch deutsches Wort. Es bringt eine institutionalisierte Erziehung zum Ausdruck. Ich habe das Gefühl, ‚Erfahrung’ ist der bessere Begriff. Es ist wichtig, ab einem bestimmten Alter eine Bandbreite von Erfahrungen zu besitzen, um ein Tanzexperte zu sein. Ich glaube nicht, dass jeder eine klassische Tanzausbildung braucht, aber man sollte eine Vielfalt verschiedener Formen kennenlernen, um von sich als reifer Tänzer, der die Arbeiten unterschiedlicher Choreografen umsetzen kann, zu sprechen. Ich denke, man sollte vor allem Anpassungsfähigkeit besitzen – das heißt, sowohl klassischer Stil als auch Moderne und Postmoderne sowie theatrale, zeitgenössische und popkulturelle Formen oder Hip Hop. Ich möchte alles über meine Kunstform wissen, alles, was möglich ist, und wenn da Lücken in meinem Wissen sind, dann strenge ich mich gezielt an, sie zu füllen.

 

Suchen Sie nach besonders ausdrucksstarken Tänzerinnen und Tänzern?

 

CR: Absolut. Ich denke, wir wollen sechs unterschiedliche Persönlichkeiten in dieser Gruppe. Personen, die mit der Idee umgehen können, dass sie mit einem Spektrum unterschiedlicher Choreografen und Regisseuren arbeiten werden. Die Tänzer müssen autonom sein und selbst-motivierend darin, was er oder sie zum künstlerischen Produktionsprozess beisteuern wird.

 

MR: DANCE ON ist eigentlich auch ein Tanzerbe-Projekt, weil natürlich jeder ein eigenes Erbe mitbringt. Wir sprechen von einem ‚verkörperten Wissen’ der Tänzer, das sich auch als Erfahrung an das Publikum vermittelt. Deswegen ist es toll, dass im Verlauf des Projekts nicht nur ein Stil getanzt wird. Als Zuschauerin kann ich diese Arbeiten aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln entdecken. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei einzelnen Tänzern gerade ein erfahrenes Publikum sagt, ‚Ah, da sehe ich Lucinda Childs oder da sehe ich Forsythe’.

 

CR: Die Tänzer, die sich dazu entschlossen haben, unsere Ausschreibung zu beantworten, zeigen sich vor allem daran interessiert, bestehende Vorstellungen und Gewohnheiten zu überschreiten. Wenn man in der Vergangenheit nur in einer oder zwei verschiedenen Kompanien getanzt hat, ist es aufregend, nun mit einer Vielzahl von Choreografen zu arbeiten. Es ist eine Möglichkeit, selbst als Künstler weiter zu wachsen.

 

Inwieweit stellt die Unterschiedlichkeit der Choreografen eine Herausforderung für die Tänzer dar?

 

MR: Dies war immer die Idee: unterschiedliche Herangehensweisen, Handschriften, auch Sichtweisen zusammenzubringen, und gerade dafür brauchen wir diese erfahrenen Tänzer. In den Gesprächen vor Projektbeginn haben wir von Seiten der erfahrenen Tänzer häufig Äußerungen gehört wie ‚Ach, einfach nur weiter zu tanzen und nochmal in eine Repertoire-Kompanie zu gehen, das habe ich doch schon gemacht, dafür lohnt es sich nicht weiter zu tanzen’. Aber wofür lohnt es sich dann? Da scheint etwas an diesem Projekt zu sein, wofür es sich lohnt und wodurch sich die Frage beantworten lässt, warum man weiter tanzt.

 

Es gibt also auch Tänzer, die nicht weitertanzen wollen?

 

RH: Ja – Ich gehöre z. B. zu den Tänzern, die nicht weiter tanzen wollten, weil ich noch etwas anderes machen wollte. Die Frage stellt sich jeder Tänzer irgendwann: ‚möchte ich weiter tanzen oder nicht?’ Es gibt auch Tänzer, die ihrer Karriere bewusst ein Ende setzen, aber die haben sich ja nicht bei uns beworben.

 

Gibt es denn für die Choreografen inhaltliche Vorgaben?

 

RH: Wir geben kein Thema vor. Wir haben uns entschieden, den Choreografen eine ‚wild card’ zu geben. Es werden sowohl abendfüllende als auch kürzere Stücke entstehen.

 

Lernen die Choreografen denn das Ensemble vorher kennen?

 

MR: Unsere Erfahrung seit Projektbeginn war, dass die Idee so anziehend ist, dass die Choreografen uns zugesagt haben, ohne zu wissen, wer die Tänzer sind. Sie haben sozusagen ein ‚blind date’ mit dem Ensemble.

 

CR: Es ist ein laufender Prozess, bei dem durch die Idee und das Team von DANCE ON bereits Vertrauen aufgebaut wurde. Madeline besitzt eine achtbare Position in der Tanzwelt, – und über die Jahre habe ich es durch einen respektvollen Umgang mit Kollegen und Partnern angestrebt, Ähnliches zu erreichen.

 

Sind Choreografen bereit, sich mit dem Thema zu beschäftigen?

 

MR: Das ist sehr unterschiedlich. Ein Choreograf, mit dem ich geredet habe, sagte mir: ‚Ja, Tänzer werden einfach älter. Das ist normal für mich. Das ist kein Thema’.

 

CR: Ich denke, sie wollen mit diesen Tänzern arbeiten aufgrund ihrer großen Erfahrung. Eine unserer Choreografinnen hat z. B. bisher häufig mit aufstrebenden, jüngeren Tänzern gearbeitet – und die Idee, nun eine Arbeit mit erfahrenen Tänzern zu kreieren, ist sehr spannend für sie. Vielleicht weil es ihre Arbeit in eine andere Richtung trägt...

 

MR: Mein Schlüssel-Erlebnis war, als ich Mikhail Baryschnikow und Sylvie Guillem nach Heilbronn eingeladen habe – da war er 54, sie 46. Es hat mich umgehauen, was die beiden gemacht haben. Natürlich Ausnahme-Künstler. Jeder freut sich, für sie eine Arbeit zu machen. Und das verbindet sich auch mit DANCE ON: zu sagen, es kann nicht sein, dass nur diese zwei Superstars es sind, für die Choreografen Werke erarbeiten.

 

CR: Aber ich denke auch, dass die Tanzwelt sich öffnet. Das zeitgenössische Verständnis von Tanz verändert sich. Herangehensweisen sind im Wandel: ältere Tänzer können auf der Bühne sein und das Besondere des Stücks ist nicht, wie hoch das Bein kommt oder wie viele Drehungen man machen kann. Es geht vielmehr um eine Haltung zum Tanz und um das Vermögen, Raum choreografisch zu ‚bewohnen’. Viel mehr Menschen können eingeladen werden, Tanz zu repräsentieren oder Teil der Tanzwelt zu sein.

 

 

DANCE ON hat von der Politik eine substantielle Förderung bekommen. Wie viele Widerstände waren zu überwinden?

 

MR: Die Politik zu überzeugen, da geht es immer um eine starke Idee. Bei DANCE ON war es der CDU-Politiker Rüdiger Kruse, der sich engagiert und sich zuvor bereits für die Bundesförderung des Counterparts von DANCE ON, das Bundesjugendballett, eingesetzt hat. Daran, dass sich hier jemand offensichtlich von einer Idee anstecken ließ, wurde mir klar, dass es eine Chance für unser Projekt gibt. Es war natürlich ein großer Erfolg, diese Unterstützung zu bekommen.

 

Nun könnte man ja auch sagen, demografischer Wandel, da reden wir alle von. Wir kennen die Dörfer, wo nur noch Alte leben. Jetzt zeigt DANCE ON einfach eine andere Variante. Würde Sie das ärgern?

 

MR: Nein, überhaupt nicht. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes, der mir persönlich ganz wichtig ist, geht über den Tanz hinaus: es geht um den Wert des Menschen im Alter. Der Tanz wird in der kulturpolitischen Wahrnehmung und in der weiteren Wahrnehmung als Kunstform des Vergnügens bezeichnet. Aber es ist mir ein persönliches Anliegen zu zeigen, dass der Tanz tatsächlich durch ein künstlerisches Projekt eine gesellschaftsrelevante Aussage treffen kann.

 

Die Politik hat zugegriffen. Die Tanzwissenschaft auch – sie wird das Projekt begleiten. Wie ist da die Resonanz?

 

MR: Unser Fokus liegt nicht rein auf der Tanzwissenschaft, sondern unser Interesse zum Thema Tanz und Alter reicht von den Geistes- und Naturwissenschaften, Medizin, Neurowissenschaften bis in den Bereich der Soziologie. In welchem Bereich ist da schon geforscht worden? Wir wollen im Zusammenhang mit unserem Projekt noch ausstehende Forschungsaspekte beleuchten und vertiefen.

 

In der „Callas“ von Reinhild Hoffmann in Bremen sah man deutlich, dass das Publikum aus den Leuten bestand, die das Stück bereits vor 25, 30 Jahren gesehen haben und es nun gerne wiedersehen wollten. D. h. diese Zuschauer waren in ihrer eigenen Altersgeschichte drin. Ist das etwas, das man bei DANCE ON auch erwarten kann?

 

MR: Ich glaube, dass damit zwei Aspekte verbunden sind: Zunächst ziehen die Choreografen und Regisseure jeweils ihr eigenes Publikum an, darüber hinaus stellt unser Anliegen aber an sich auch nochmal ein eigenes Thema dar, und da sind wir gespannt, wer kommen wird.

 

CR: Ein mögliches Ergebnis des Projekts sehe ich darin, dass Alter im Tanz nicht mehr relevant ist. Dafür ist es wichtig, das Thema zu reflektieren, zu besprechen und zu diskutieren – und wie kann man es besser darstellen als durch Tanz selbst? Die Personen, die meist als ‚Legenden des Tanzes’ erinnert werden, sind die Choreografen. Bis zu einem gewissen Grad ist dies auch absolut gerechtfertigt, aber ich glaube, dass diese Gruppe von sechs Tänzern ebenfalls das Potential hat, Teil einer Legende zu sein – Teil dessen, wie man es tun kann, zusammen mit den verschiedenen brillanten Choreografen und Regisseuren. Wir werden ein gewichtiger Bestandteil des Dialogs im zeitgenössischen Tanz sein.

 

Wie schwer war es oder leicht war es, Kooperationspartner zu finden?

 

MR: Wir haben Unterstützerbriefe eingeholt, um die Politik zu überzeugen, und da waren alle sofort dabei – die Künstlerischen Leiter der großen Ballettensembles in Deutschland und internationale Veranstalter wie z. B. Sadler’s Wells und viele andere. Dass das so eine Resonanz hat, das hat mich schon überrascht. Das hat auch damit zu tun, dass wir alle ein bisschen älter sind und ein großes Netzwerk haben.

 

 

Nun soll es ja auch DANCE ON LOKAL geben. Was muss ich mir darunter vorstellen?

 

CR: Das Älter- und Erfahren-Sein bringt auch mit sich, dass man sein Wissen häufig weitergegeben hat. Das bedeutet, wir sind alle Könner unseres Fachs, aber auch Spezialisten in der Kommunikation unserer Erfahrung. Und Teil von LOKAL ist das Vermögen, dieses Wissen in die Gesellschaft zu tragen und sich gemeinsam mit Laien – älteren Menschen vor Ort in diversen Städten – über das Alter zu verständigen. Es geht darum zu zeigen, was unsere Kunstform hinsichtlich ihres intellektuellen und körperlichen Engagements und vielleicht ihrer Freude bewirken kann, sowie zu sehen, was wir von ihnen lernen können.

 

Das erste Mal, dass ich mit diesem Thema konfrontiert worden bin, das war durch das NDT III. Aber das hatte einen anderen Fokus?

 

MR: Wir sehen NDT III von Jiří Kylián als Referenzprojekt an. Ich hatte das Ensemble zu einem meiner ersten Festivals eingeladen. Mein Vater hat damals das erste Mal Tanz gesehen und war enorm beeindruckt. Ich glaube, das ist das Besondere an dem NDT III-Projekt, dass es die Menschen direkt angesprochen hat. Viele, die das gesehen haben, behielten sehr lange Erinnerungen daran. Und das ist unsere Referenz: eine tiefere Erfahrung und Erinnerung beim Zuschauen zu schaffen.

 

Gibt es eigentlich in den Ländern eine unterschiedliche Haltung zum Thema Tanz und Alter?

 

MR: Es gibt Länder, in denen das Alter sehr geschätzt wird. Aus Asien kommen die großen alten Butoh-Stars. Die Achtung des Alters ist Teil ihrer Kultur. In vielen Ländern in Europa, gerade auch in den hier führenden zeitgenössischen Tanzländern, wo die letzten 20, 30 Jahre alle großen Namen hergekommen sind, da ist es, denke ich, ähnlich problematisch wie in Deutschland.

 

Es besteht die Idee, das Projekt später zu verfestigen. Vielleicht kommt aber gar nicht das raus, was man sich vorgestellt hat. Wie offen ist das Ende?

 

MR: Ganz faktisch: das Ende ist offen. Meine Erfahrung ist, dass jedes Projekt eine Eigendynamik besitzt. Insofern können wir das heute noch nicht beantworten. Ich glaube aber, DANCE ON besitzt das Potential dazu, dass es weitergeht und wir auch weiterhin Partner finden. Die Idee ist so umfassend, dass wir das innerhalb der zwei Jahre gar nicht ausreizen können.

 

CR: Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Aber ich fühle, dass es ein wichtiges und notwendiges Projekt ist, das einen bestimmten Aspekt von Kunst betont, der oft vernachlässigt wird. Ihn zu verdeutlichen wird, wie ich denke, sehr viel Neugier wecken und erfolgreich sein.